Ursprung der Cajón

Es gibt diverse Theorien darüber, wie die Holztrommel Cajon entstehen konnte: Einige Historiker und Musikethnologen meinen, die Cajón sei ein Nachfahre der afrikanischen Holztrommel „Nkakwa“, ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Angola und Mozambique.  Im peruanischen Volksmund hingegen erklärt man sich die Entdeckung der Holzkisten-Trommel folgendermaßen:

Generell war es den afrikanischen Sklaven strengstens verboten, laut zu musizieren.  Vor allem das Spiel der afrikanischen Trommeln war den Kolonialherren ein Dorn im Auge; fürchtete man doch (zu Recht!), die afrikanischen Sklaven könnten mit ihren hoch entwickelten Trommelsprachen geheime Botschaften übermitteln und Aufstände organisieren. Bei der Arbeit auf den Zuckerrohr-Plantagen aber war es üblich, laut zu singen, was die Möglichkeit zu musikalischer Begleitung bot, ohne großes Aufsehen zu erregen.

Die versklavten Arbeiter entdeckten schließlich die Zuckerrohr-Kisten als Trommel. Nach und nach entwickelte sich die Cajón zur heutigen Form.  Zuerst spielten sie auf der gefüllten Zuckerrohr-Kiste, was einen schnarrenden Ton erzeugte. Dieses legt die Vermutung nahe, dass das heutige Klangideal im Rascheln/Schnarren des Zuckerrohrs begründet liegt. Die Schrauben an der Oberkante der Frontplatte (Schlagfläche) sind bei einer peruanischen Cajón nicht komplett angezogen und haben viel Spiel, so dass beim Musizieren ein Schnarren ertönt.

Andererseits ist die klangliche Verzerrung ein typisches Merkmal afrikanischer Instrumente, so dass der wahre Grund für das „Cajón-Schnarren“ nicht so leicht aufzudecken ist.  Später dann wurden die Zuckerrohr-Kisten zwecks besserer Resonanz geleert und eine Klangöffnung auf der Rückseite ausgeschnitten – und siehe da, die Cajón ward geboren!

Ein weiterer Punkt, der für die afrikanische Herkunft der peruanischen Cajón spricht: Es gibt in Afrika Trommelkulturen, in denen der Spieler auf der Trommel sitzt, was eine mögliche Verwandtschaft anzeigt. Festzuhalten bleibt: Egal welche historischen Wurzeln mit der Holzkiste Cajón verbunden sind, die Cajón ist ein mächtiges Symbol geworden, sowohl für die afro-peruanische, als auch für die spanisch-geprägte (kreolische) Kultur Perus.

Spanien & Flamenco

Nach Spanien gelangte die Cajón in den 1970er Jahren. Natürlich ist es schwierig zu sagen, wer genau der erste spanische Cajónero war, aber: Es heißt, der in Spanien lebende brasilianische Percussionist Rubem Dantas sei der Erste gewesen, der eine peruanische Cajón nach Spanien brachte und in den Flamenco integrierte. Rubem Dantas traf während eines Peru-Aufenthalts den peruanischen Cajónero Carlos Coito Soto – er war so fasziniert von dessen Spiel und dieser klingenden Holzkiste, dass Carlos Coito Soto ihm seine Cajón schenkte. Zurück in Spanien integrierte Rubem Dantas sein Mitbringsel in der Band des bekannten spanischen Flamenco-Gitarristen Paco de Lucia, der eine neue modernere Form des Flamenco suchte und traditionelle Flamenco-Einflüsse mit Jazz und Fusion verband.  Diese neue Flamenco-Musik war enorm erfolgreich und führte zu einem wahren Cajón-Boom im Flamenco. Mittlerweile gehört die Cajón neben den Palmas (rhythmisches Händeklatschen) zum traditionellen Instrumentarium und ist damit fester Bestandteil der spanischen Flamenco-Musik.  Aufgrund dieser Spezialisierung haben sich etliche spanische Cajón-Varianten entwickelt.

Kuba

Wie in Peru, so ist auch in Kuba die Musikkultur stark von der Kolonialzeit der früheren Jahrhunderte geprägt. In der Entwicklung der kubanischen Cajónes und der peruanischen Cajón finden sich deshalb einige Parallelen. Auch auf Kuba suchten die afrikanischen Sklaven nach unauffälligen Ersatz-Instrumenten und fanden heraus, dass auf den verschieden großen Obst-, Tee- und Tabak-Kisten gut musiziert werden kann. Auf Kuba tauchen die Cajónes vor allem im Kontext des Rumbas auf (Rumba heißt übersetzt „Party“) weshalb die Cajón auch „Rumba-Kiste“ gerufen wird.  Anders als bei der peruanischen Cajón unterscheidet man auf Kuba zwischen drei traditionellen Cajón-Größen: Die größte „Salidor“, die mittlere „Tres-Dos“ und die kleinste „Quinto“. Auf der Salidor sitzt der Musiker, die beiden übrigen Cajónes werden zwischen den Beinen bzw. auf dem Schoß gehalten und der Trommler sitzt auf einem Stuhl.  Irgendwann übernahmen bei den Rumba-Feiern die Congas die Funktionen der Cajónes. Die Conga gilt übrigens als direkter Nachfahre der kubanischen Cajónes, auch wenn die Ursprünge der Conga in den Trommeln der afrikanischen Musik liegen.